„Ich kann meine Bedürfnisse nicht spüren.“

„Ich weiß nicht, was ich fühle.“

„Ich habe überhaupt kein Gefühl dafür, was und wieviel ich essen soll.“

Wenn man vom Nicht-spüren betroffen ist,
kann man sich ganz schön bescheuert fühlen.
Scheinbar alle bekommen das hin, nur man selbst nicht.

Dabei ist das Nicht-spüren ein Schutzmechanismus, der einmal sehr wichtig für uns war.

In diesem Artikel werde ich dir ein paar Zusammenhänge erklären und
dir Impulse mit auf dem Weg geben, wie du in die Welt des Spürens eintreten kannst.

Die Umarmung spüren.
Die Umarmung spüren.

Nicht spüren als Schutz vor Verletzung

Wenn du feststellst, dass du dich nicht gut spüren kannst, sei dir bitte nicht böse.

Denn du machst das nicht mutwillig oder weil es so lustig ist.

Möglicherweise gab es in deinem Leben wichtige Gründe, wenig oder nichts zu spüren. Das kann zum Beispiel ein wirksamer Schutz vor Verletzungen geistiger oder körperlicher Natur gewesen sein.

Ich finde es wichtig, diesen Schutz zu würdigen. Danke, für alles, das du in meinem Leben getan hast.

Der Schutz vor dem Spüren wird erst dann schwinden, wenn er sich sicher fühlt:

Daher ist es ratsam, die Gefühle in kleinen Dosen zuzulassen.

Wir müssen uns sicher fühlen, um wieder spüren zu können

Dadurch kannst du erfahren, ob Spüren heute für sich sicher ist. Du gewinnst dadurch Mut, dich mehr und mehr auf deine Innenwelten einzulassen.

Bitte zwinge dich zu nichts, und gönne dir bei beängstigenden oder bedrohlichen Gefühlen professionelle Hilfe. Falls du große Widerstände gegen deine Gefühlswelt hegst oder dich komplett taub fühlst, wäre es ebenfalls ratsam, mit einer Therapeutin oder einen Therapeuten darüber zu sprechen.

Wie fühlt sich das Fell der Katze an?
Das Fell der Katze spüren.

Wie sich das „nicht Spüren“ anfühlt

Wenn man das Spüren verlernt hat, heißt das nicht, dass man gar nichts mehr wahrnimmt.

Es kann heißen, dass …

… man sich von sich selbst abgekoppelt fühlt.

… der Zugang zur inneren Intuition fehlt.

… man irgendwie neben sich steht.

… man sich irgendwie dumpf, in Watte gepackt oder abgekoppelt vom Leben fühlt

… zu viele Gedanken im Kopf rotieren.

… man das Gefühl hat, dass der Kopf vom restlichen Körper abgetrennt ist.

… man nicht mehr weiß, was einem gut tut.

… man seine Grenzen nicht kennt und damit nicht wahren kann.

… wir von eigenen Emotionen überschwemmt werden und uns nicht mehr regulieren können.

… Hunger und Sättigung nicht mehr spürbar sind.

… man den eigenen Körper vor allem dann bemerkt, wenn er schmerzt.

… man Freude nicht mehr richtig wahrnehmen kann.

Wie fühlt sich Holz an?
Das Holz spüren.

Der Körper als Bühne für Gefühle

Im Wort Gefühle steckt »fühlen«. Dies ist bereits ein Hinweis darauf, wie wir Gefühle wahrnehmen: Wir fühlen sie, und zwar mit Hilfe unseres Körpers.

Unser Kopf, also unsere Gedanken, helfen uns bei der Interpretation des Gefühlten und übersetzen unsere Gefühle in Bedürfnisse.

»Der Körper ist die Bühne,
auf der sich das Leben abspielt.«

(aus: »Das Achtsamkeits-Übungsbuch « von Weiss, Harrer, Dietz)

Es gibt einige Begriffe für das Spüren

Die deutsche Sprache bietet einige Begriffe, um das, was in unserem Inneren vorgeht, zu benennen.

Damit wir uns hier auf das Wesentliche konzentrieren, nämlich auf das Spüren, verzichte ich bewusst auf die genaue Differenzierung der Begriffe »Gefühle«, »Emotionen«, »Stimmungen«, »Spüren« und »Fühlen«.

Wie spürt sich der Stein in den Händen an?
Den Stein spüren.

Abgekoppelt vom eigenen Körper

Mein Kopf war früher mein Hauptentscheidungsträger. Er bestimmte, wie ich mich zu fühlen, wen ich zu mögen, wer ich zu sein und wie mein Tagesablauf auszusehen hatte. Fast alles war durchdacht und geplant.

Für meine wahren Gefühle ließ ich wenig Raum, sofern sie mir überhaupt bewusst waren. Was sich mein Kopf ausdachte, war für meine Gefühle, für mein Wesen, oft nicht stimmig.

»Du fühlst dich müde? Das ist unmöglich, du hast heute noch nicht wirklich viel geleistet! Stell dich nicht so an, es gibt genug zu erledigen!«

Essen war damals das einzige Mittel, das mir ermöglichte, zu tun, wonach mir in meinem Innersten wirklich zumute war: Die Kontrolle zu durchbrechen, nicht funktionieren zu müssen, nicht wissen zu müssen, wo es langging, und im Schlaf, der meist auf die Essanfälle folgte, alles zu vergessen.

Damit mein Unterbewusstsein nicht mehr rebellieren musste, wurde es Zeit, meinen Gefühlen zuzuhören, anstatt sie wegzuessen.

Noch mehr über meine Geschichte mit dem Essen liest du in meinem Buch „Essanfälle adé“.

In den Körper hineinfühlen

Um unsere Gefühle wahrnehmen zu können, ist es nötig, in unseren Körper hineinzufühlen und auf seine Empfindungen zu lauschen. Wenn wir allerdings von ihm abgekoppelt leben oder ihn sogar hassen, braucht es naturgemäß Zeit und Übung, um wieder in Kontakt mit ihm zu kommen.

Wenn wir noch nicht mit unserem Körper verbunden sind kann es sein, dass wir am deutlichsten unsere hohen Hochs und tiefen Tiefst spüren. Dann fällt es schwer, die Gefühlsschattierungen dazwischen wahrzunehmen.

Erlernen einer neuen Sprache für das Spüren

Dem Traumatherapeuten Peter A. Levine zufolge läuft das Erlernen der Sprache des Körpers ähnlich der Aneignung einer Fremdsprache ab. Diese hat ihre eigene Grammatik, ihren Satzbau und ihre Redewendungen, was sich alles niemals an nur einem Tag erlernen lässt.

Du kannst beim Spürenlernen also geduldig sein.

Das Baby lernt das Spüren mit den Händen.
Die Rassel spüren.

Wie lernt man zu spüren?

Das Spüren funktioniert am besten, wenn wir es nicht krampfhaft erzwingen. Es ist wie bei der Suche nach einem Gegenstand, den wir verlegt haben: Meist werden wir erst fündig, sobald wir nicht mehr fieberhaft alle Schubladen durchwühlen, sondern innerlich loslassen.

Es gibt kein „richtiges“ und kein „falsches“ Spüren

Beim Spüren ist die innere Haltung ähnlich: Wir suchen nicht nach etwas Bestimmtem, sondern öffnen uns für das, was da ist. Wir beobachten. Es gibt beim Spüren kein »Richtig« und kein »Falsch«.

Es gibt nur dein höchstpersönliches Spüren, das ist immer in Ordnung, so wie es gerade ist.

Das Baby spürt die Daumen vom Papa.
Hände spüren.

Auch „nichts“ Spüren ist eine Wahrnehmung

Falls du zunächst nichts wahrnehmen kannst, ist das ebenfalls in Ordnung. Genaugenommen bedeutet es sogar, dass du bereits etwas spürst, nämlich das Nichts. Auch diese Wahrnehmung kann man erforschen:

  • Wie genau kannst du wahrnehmen, dass in deinem Körper »nichts« ist?
  • Welche Konsistenz oder welches Aussehen hat es, ist das »Nichts« beispielsweise Vakuum oder durchsichtig?
  • Ist es von etwas umgeben, beispielsweise einer Hülle?
  • Oder ist es wie ein verschlossener Sesam, der ein Geheimnis verbirgt?
Den Ausblick über Wien mit allen Sinnen fühlen.
Die Herbstluft spüren.

Der erste Schritt: Autobahn im Kopf beruhigen

Fühlen ist etwas, das sich in unserem Körper in der Gegenwart, im Hier und Jetzt abspielt.

Menschen, die sich nicht spüren können, sind allerdings oft in ständige Gedankenkreise verstrickt.

Wir hängen beispielsweise in der Zukunft (planen), in der Vergangenheit (grübeln) oder sind ständig bei vermeintlichen Mängeln (Defizitdenken).

Gefühle werden von Gedanken übertönt

Sind wir noch nicht daran gewohnt, unsere Gefühle zu spüren, werden sie allzu leicht von Gedanken übertönt. Ich mag in diesem Zusammenhang den Vergleich mit einer Biene: In der Stille können wir ihr Summen deutlich hören, mitten auf der Autobahn nicht.

Gefühle wahrzunehmen wird erheblich erleichtert, wenn wir lernen, unsere Gedanken auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Die Betonung liegt dabei auf »lernen«. Flitzen unsere Gedanken unbändig im Kopf hin und her, reicht es nicht aus, sie zu bitten: »Seid still, ich möchte jetzt fühlen.«

Gedanken in das Hier und Jetzt holen

Um gewohnte Muster zu verändern, braucht es Geduld und stetige Übung. Die Meditation ist ein wirksames Mittel, um die Gedanken ins Hier und Jetzt zu befördern und sie so zu beruhigen.

Doch der Gedanke an Meditation kann ganz schön abschrecken, weil es oft mit langem Stillsitzen in steifer Haltung geleichgesetzt wird.

Zudem wird es in Momenten der äußerlichen Stille umso lauter in einem drin. Es kann sein, dass plötzlich Unmengen von Gedanken daherkommen was mir großes Unbehagen bereitet. Daher kann es sein, dass Meditation, wie vieles andere auch, irgendwo hinten auf der langen »Ich sollte«-Liste landet. 

Was viele nicht wissen, ist, dass Sitzmeditation nur eine von vielen Meditationsvarianten ist. Es gibt darüber hinaus zahlreiche Möglichkeiten, Meditation in den Alltag einzubauen.

Meditation bedeutet keineswegs, nichts zu denken, sondern unseren Geist immer wieder achtsam auf die Gegenwart zu lenken.

Dazu existieren zahlreiche alltagstaugliche Übungen, vier davon stelle ich dir gleich vor.

Sollten dir etwas davon zusagen, empfehle ich das regelmäßige Üben über einen längeren Zeitraum.

Es wäre unrealistisch, zu erwarten, dass sich jahrelang eingeschliffene Denkmuster durch eine ein- oder zweimal ausgeführte Übung auflösen.

Selbst wenn Übungen einfach in unser Leben integrierbar sind, kann es vorkommen, dass wir sie vergessen. Das ist menschlich, wir sind nun einmal Gewohnheitstiere.

Oft hilft eine liebevolle (!) Aufforderung, vielleicht eine Handy-Erinnerungsfunktion hier oder eine Haftnotiz dort.

Betonen möchte ich, dass es bei all dem nicht darum geht, ab jetzt immer im Hier und Jetzt zu sein. Ich kenne niemanden – mich selbst eingeschlossen – der es schafft, immer präsent zu sein.

Stattdessen geht es um ein immer öfter.

Den lauen Sommerabend spüren in Wien.
Den lauen Sommerabend spüren.

Alltagstaugliche Hier & Jetzt Spür-Übungen

Übung: Alltagshandlung kommentieren

Führe eine ganz normale Routinetätigkeit bewusst aus, indem du dir selbst erklärst, was du gerade tust. Wenn du alleine bist, laut, wenn jemand in Ihrer Nähe ist, im Geiste.

Zum Beispiel beim Abwasch: »Ich nehme den Geschirrschwamm, ich halte ihn unter das Wasser, das Wasser fühlt sich heiß an, ich nehme den Teller, der spürt sich glatt an, ich putze den Teller, ich höre das Geräusch …« und so weiter.

Du beschäftigst deinen Kopf, indem du ihn als Verbündeten mit ins Boot holen. Er gießt das, was du spürst und wahrnimmst, in Worte. Damit sind die Gedanken auf das Tun im Hier und Jetzt gerichtet.

Falls sich wiederholt andere Gedanken einmischen, ist das in Ordnung und völlig normal.

Lenke deine Gedanken möglichst geduldig immer wieder zu Ihrer Tätigkeit zurück. Statt sich über ihr Auftauchen zu ärgern, erinnere dich bitte daran, dass nur Übung die Meisterin macht.

Meditation im Alltag: Was spüre ich?
Alltagshandlung: Ich zünde die Kerzen an.

Übung: Sinne bewusstmachen

In unserer modernen Welt nehmen visuelle Reize viel Raum ein. Wenn du das nächste Mal außer Haus gehst, achten eine bestimmte Wegstrecke lang bewusst auf die anderen Sinneswahrnehmungen.

Höre beispielsweise das »Klacke-die-klack« der Rolltreppe oder die kleine Melodie, die Züge beim Abfahren machen, rieche an einer Blume, spüre den Wind auf deinem Gesicht, ertaste die Holzstruktur eines Baums.

Ringelspiel im Wiener Prater hören
Wie hört sich das Sausen des Ringelspiels an?

Übung: Achtsam gehen

Statt von A nach B zu hetzen, versuche, ein paar Meter bewusst zu gehen, deine Füße abzurollen, den
Untergrund zu spüren. Das kannst du jederzeit in den Alltag einbauen, beispielsweise im Büro, am Weg zum Kopierer.

Im Sommer ist es schön, die Schuhe auszuziehen und bloßfüßig eine Wiese wahrzunehmen oder das kalte Wasser eines Baches.

Den Weg gehen in Herbstlandschaft und die Schritte spüren.
Wie fühlt sich das Gehen an?

Übung: Dinge anders tun als gewohnt

Sobald wir die Automatismen des Alltags etwas ändern, lenkt das unsere Aufmerksamkeit ins Hier und Jetzt.

Drücke beispielsweise einen Tag lang alle Lichtschalter mit dem kleinen Finger Ihrer linken Hand.

Nimm einen anderen Weg zur Arbeit, oder gehe in ein anderes Lebensmittelgeschäft als gewohnt. Du findest bestimmt noch zahlreiche weitere Beispiele!

Der nächste Schritt: Spüren üben im Alltag

Wenn wir das Spüren (wieder) erlernen, dürfen wir mit einfachen Körperspür-Übungen anfangen, uns sozusagen aufwärmen. Wir brauchen uns nicht sofort auf unsere schwierigsten Emotionen zu stürzen!

Neues Spür-Vokabular entwickeln

Beim Spüren möchten wir die Gefühlsregungen in unserem Körper beobachten, also unsere Aufmerksamkeit bewusst in uns hineinlenken. Leider gibt es kein Schulfach »Gefühle benennen«, und so fehlen uns manchmal die Wörter, um das, was in uns abgeht, genau zu beschreiben.

Daher ist es nötig, ein Vokabular für die inneren Sensationen zu entwickeln.

Dazu helfen einfache Übungen, die wir in den Alltag integrieren können. Vier davon stelle ich dir nun vor:

Übung: Spüren im Alltag

Wenn du dich das nächste Mal langweilst oder warten musst, nimm irgendeinen Gegenstand in die Hand und versuche gedanklich zu beschreiben, wie er sich anfühlt.

Kalt? Warm? Spitz? Rund? Rau? Glatt? Wie Metall? Gläsern? Hölzern? Schwer? Leicht? Filigran? Robust? Angenehm? Unangenehm?

Dadurch lernst du ein Vokabular für Empfindungen zu entwickeln.

Wie fühlt sich die Tasse an?
Wie fühlt sich die Bürotasse an?

Übung: Unterlage unter deinem Körper spüren

Das ist eine schöne Übung, wenn du das nächste Mal Bus oder Bahn fahren oder im Stau steckst.

Versuche wahrzunehmen, an welchen Stellen und auf welche Art und Weise dein Körper den Sitz, beziehungsweise den Boden berührt.

Wo genau sind die Kontaktflächen? Wird dein Kopf abgestützt? Wenn ja, kannst du die Kopfstütze spüren? Vielleicht möchten du deinen Kopf ein bisschen bewegen, um deutlicher wahrnehmen zu können. Wie liegen deine Arme auf? Was genau spürst du unter deinen Füßen?

Auch diese Übung hilft dir dabei, dein Vokabular, deine Gefühlssprache zu entwickeln.

Auf einer Steinstufe sitzen in Rom und die Steinstufe spüren.
Wie fühlt es sich an, auf einer Steinstufe zu sitzen?

Übung: Fokus auf den Atem

Beobachte das nächste Mal, wenn du kurz Zeit hast, du etwa in einer Warteschlange stehst oder im Zug sitzt, deinen Atem:

einatmen, ausatmen.

Erforsche, an welchen Körperstellen sich die Bewegung deines Atems zeigt.

Dadurch lernst du, in dich hineinzukommen, da der Atem in dir drinnen ist.  Denn Spüren ist immer etwas, das in uns drinnen stattfindet.

Übung: Spüren des Herzschlags

Lenke deine Aufmerksamkeit auf dein Herz.

Kannst du es schlagen spüren? Vielleicht möchtest du deine Hand darauf legen.

Gern kannst du dich bei deinem Herz bedanken, dass es schon dein ganzes Leben für dich schlägt.

„Danke mein Herz“

Auch diese Übung hilft, uns auf unser Inneres zu konzentrieren und ganz mit uns zu sein, indem wir uns mit unserem Herzen verbinden.

Die Übungen zu Herzschlag, Atem und Unterlage eignen sich übrigens gut für den Moment vor dem Einschlafen, besonders wenn die Gedanken mal wieder umhersausen.

Das Herz spüren.
Kannst du deinen Herzschlag spüren?

Übung macht die Meisterin und den Meister

Denken wir einmal zurück an unseren Mathe-Unterricht:

Da übten wir zunächst die Addition, bevor wir uns an das kleine Einmaleins heranwagten. Heute ist beides für uns eine Selbstverständlichkeit! Beim Spürenlernen funktioniert es ähnlich: Die Übung macht die Meisterin und den Meister!

Weitere Übungen und Spüren von Gefühlen

Im Buch „Essanfälle adé“ beschreibe ich noch viele andere Übungen. Außerdem erkläre ich ausführlich die EKT-Methode für die Selbstanwendung, mit der wir lernen können, unsere Gefühle zu spüren.

Gute Gefühle ja, schlechte Gefühle nein?

Das Schwierigste und gleichzeitig Wichtigste finde ich die Erkenntnis, dass es in uns nichts »Böses« gab, das es zu bekämpfen, zu verbiegen, zu verleugnen oder wegzumachen gilt.

In unserer Leistungsgesellschaft sind wir es gewohnt, schlechte Stimmungen so rasch es geht mit »positivem Denken« zu verbessern.

Daher kann es ungewohnt sein, dem Inneren zuzuhören, anstatt es zu unterdrücken.

Zu erkennen: Wenn ich mich unglücklich fühle, dann nicht aus Jux und Tollerei, sondern weil ich einen triftigen Grund dazu habe, den ich im Moment vielleicht nicht sehen kann oder will.

»Dunkelheit zerstört das Licht nicht;
sie verleiht ihm vielmehr Kontur.
Es ist unsere Angst vor Dunkelheit,
die einen Schatten auf unsere Freude wirft.«

(aus: »Die Gaben der Unvollkommenheit« von Brené Brown)

Wir können nicht verhindern, dass unsere Gefühle in uns sind.

Wir können nur verhindern, sie zu spüren. Doch genau das birgt eine Gefahr in sich: Gefühle lassen sich nicht selektiv unterdrücken oder taub machen.

Wir können es uns nicht aussuchen: »Du bist angenehm, ja, dich will ich spüren«, oder: »Du bist unerträglich, nein, dich will ich nicht spüren.«

Wir können nur ja oder nein zum gesamten Spüren sagen.

Gefühle können sich als wichtiger Wegweiser für unser Leben entpuppen.

Oft sind da Gefühle in uns, die einfach nicht zu unserm Bild vom »perfekten, positiven Ich« passen wollen. Frustration, Wut, Angst, Unsicherheit, Langeweile, Orientierungslosigkeit und tiefe Traurigkeit stehen für das genaue Gegenteil von dem, was viele von uns so gerne sein würden, nämlich kraftvoll, strahlend und immer wissend, wo es langging.

Doch letztendlich sind es genau diese Gefühle, die es lohnt zu spüren. Denn sie können sich als wichtige Wegweiser für unser Leben entpuppen.

Es ist wichtig, alle Emotionen spüren zu dürfen, auch die sogenannten negativen.
Alle Gefühle haben ihre Berechtigung.

Manchmal braucht es Hilfe beim Spüren

Sich ganz alleine auf den Weg des Spürens zu machen, kann ganz schön zermürbend sein.

Daher kann es gut sein, sich Hilfe zu gönnen.

Falls es eine psychische Erkrankung ist, die dich am Spüren hindert, ist es notwendig, dass du eine Psychotherapie besuchst.

Ich begleite dich ergänzend gerne mit der Rosen-Methode, oder der EKT-Methode.

Die EKT-Methode funktioniert auch per Videotelefonie.

Weiterhören:

Zum Thema Spüren gibt es ein Podcast Interview mit Kira Siefert von SoulFood Journey, aufgenommen im Mai 2019 in Berlin.

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