Ein herzliches Hallo in diesem neuen Jahr!

Ich melde mich zurück von meiner Winterpause – zum ersten Mal in meinem Leben gönnte ich mir eine einmonatige Auszeit. Davon verbrachte ich 3 Wochen in Indien, 2 Wochen Ayurveda Pancha Karma Kur inklusive.

Ich habe die ganze Zeit nicht gearbeitet und auch kein Projekt im Kopf gewälzt und das tat mir sehr gut. Ich bin richtig stolz auf mich 

Dazu veröffentliche ich heute mal ein sehr privates Privatfoto, ganz ohne Posing, einfach nur happy mit meiner Kokusnuss 

Dieses Urlaubsfoto machte Manfred Helmer. Danke für deine Fotokunst und für unsere gemeinsame Zeit in Indien.

Im Urlaub hatte ich Zeit, wieder einmal über meinen Internet Konsum nachzudenken, ein Thema, das mich seit 2016 begleitet. Inwiefern erzähle ich dir in diesem Blog-Artikel.

Mein Smartphone und ich lernen uns kennen

Ich wehrte mich lange gegen das Smartphone, vermutlich weil ich bereits ahnte, welchen Sog es auf mich ausüben würde.

Anfang 2016 war es dann so weit: Ich kaufte mein erstes Smartphone, denn ich brauchte ein Navi für unsere Costa Rica Reise. (uns – das sind mein Lebensgefährte und ich)

Wir verbrachten einige Tage am Strand mit guter Internetverbindung und daher gab es für mich ausgiebigst Gelegenheit, in die Social Media Welt einzutauchen.

Ich wurde in mehreren Facebook Gruppen aktiv und begann auf Instagram zu posten.

Rasanter Wandel der Internetwelt

Da wurde mir bewusst, wie rasant sich die Internetwelt in den letzten Jahren verändert hatte.

Da meine Zeit im Jahr 2015 mit dem Buchschreiben mehr als ausgefüllt war, verfolgte ich die Entwicklung nicht und veröffentlichte kaum Blog-Artikel.

Unglaublich, was sich in diesem einen Jahr getan hat!

Zuvor war ich bei Google hoch gereiht, wenn man nach dem Begriff „Essstörung“ suchte. Mein Internetauftritt war technisch gesehen immer top aktuell und wie ich finde eine der besten.

Doch plötzlich war ich nur noch eine von vielen.

Die technische Entwicklung macht es möglich, dass man einfach und rasch allerlei Gedanken im Internet teilen kann. Es braucht nicht mehr viele Stunden Arbeitszeit des begabten Bruders (wie in meinem Fall), um das auf professionellem Niveau bewerkstelligen zu können. Auch das technische Equipment wurde besser und billiger.

Wie will ich mich im Internet präsentieren?

Ich muss zugeben, dass es geschmerzt hat zu bemerken, dass sich mein Google-Ranking so drastisch verändert hatte.

Du meine Güte, es ist ja echt unfassbar, was alles angeboten wird!

Es gibt unzählige Videos und Blogs zu meinen Kernthemen, wie z.B. „So beendete ich meine Essstörung“ oder „So gestalte ich meinen Alltag achtsam und mit Selbstfürsorge“.

Hinzu kommen perfekt inszenierte Fotos, perfekt geschnittenen Videos, professionell gestalteten Podcasts und und und.

Ich begann mich mit den anderen zu vergleichen. Wiedereinmal.

Die anderen haben tausende Follower. Und ich? Ein paar Hundert. Andere treten perfekt vor die Kamera? Und ich? Dazu folgender Artikel: Vergleiche mit anderen. 

Ja, mein Buch wurde von einem renommierten Verlag publiziert, aber war das genug?

Ich begann mit Instagram zu experimentieren, postete „brav“ täglich Bilder aus meinem Alltag. Dennoch wollte sich die Zahl meiner Follower nicht deutlich erhöhen.

Darüber hinaus war ich in einigen Essstörungsgruppen präsent.

Ich wollte mehr Follower!

Ausgebrannt

Im Sommer 2017 fühlte ich mich irgendwie ausgebrannt. Es war nicht besorgniserregend, aber dennoch deutlich spürbar.

Seltsam dachte ich, denn mein Buch Essanfälle adé war geschrieben und mein Arbeitspensum daher wieder auf ein gut tragbares Ausmaß zurückgegangen.

Da war wieder einmal eine Runde Selbstehrlichkeit angesagt.

Das ist ja oft nicht so leicht, aber oft notwendig.

Ich rechnete und kam auf gut 20 Stunden zusätzlicher ehrenamtlicher Arbeit in diversen Facebook Essstörungsgruppen. Ich schrieb in der Früh, kurz vor Terminen in meiner Praxis, in den Pausen dazwischen, am Abend, während anderer Tätigkeiten … ich war buchstäblich pausenlos mit schwierigen Lebensthemen beschäftigt.

Darüber hinaus war es hin und wieder nötig Konflikte zu lösen, wenn es in der schriftlichen Kommunikation zu Missverständnissen kam, was zusätzliche Ressourcen verschlang.

Ich investierte also gut 20 Stunden pro Woche in die Kommunikation mit Menschen, die ich nicht kannte.

Das musste aufhören.

Ehrenamtliche Arbeit ist gut und wichtig, aber wenn sie auf Kosten meiner Substanz geht, ist niemanden geholfen.

Hinzu kamen noch etliche Stunden, die ich mich im Internet ablenkte und mich somit von mir selbst, meinen Partner und meinem Alltag entfernte.

Still und leise eroberte das Smartphone immer mehr Aufmerksamkeit. Anstellen bei der Kassa? Rasch das Smartphone zücken. Die Freundin geht bei einem Treffen aufs WC. Kurz mal Facebook checken. Langeweile? Smartphone!

Jede freie Minute die Augen und die Sinne beschäftigen. Ein Automatismus, der sich verselbständigte.

Zu viel ist zu viel.

Hinterfragen und Weiterentwickeln

Meine Entwicklung ging in eine Richtung, die mir missfiel.

Es war Zeit, mir ein paar wichtige Fragen zu stellen:

  • Auf welche Art und Weise will ich mich im Internet präsentieren?
  • Will ich eine Influencerin sein bzw. ein Insta-Girl? Oder mich mehr auf meine Praxis-Tätigkeit konzentrieren?
  • Muss ich etwas tun, nur weil es scheinbar alle tun?
  • Was ist für mich wirklich wichtig im Leben?
  • Was fühlt sich für mich gut an?
  • Was ist für mich persönlich authentisch?
  • Hängt der Wert meiner Arbeit von der Anzahl meiner Follower ab?
  • Wieviel Zeit will ich in meinen Social Media Auftritt investieren?
  • Wovon will ich mich mit dem Smartphone ablenken? Was möchte ich nicht spüren? Wovor laufe ich weg? (ein Muster, das ich gut kenne von mir)

Schritt für Schritt wand ich mich wieder aus der Suchtfalle heraus.

Dabei halfen mir so manche EKT-Sitzung und Rosen-Methode Einheit. Darüber half mir die Pancha Karma Kur, meine innere Ruhe zu vergrößern.

Nun haben wir Anfang 2019 und ich glaube behaupten zu können, dass ich nun ein gesundes Maß an Online Präsenz für mich gefunden habe. Oder zumindest auf sehr gutem Weg bin dahin.

Heute bin ich nur noch in einer Facebook Gruppe für Essstörungen aktiv, dort aber mit großer Freude.

Ich hörte auf, mehrmals täglich meine Follower-Zahl und die „likes“ zu checken. Dem möchte ich nicht mehr so viel Raum geben.

Mir ist lieber, ich habe ein paar Hundert Follower, die das lesen, was ich schreibe, als ein paar tausend, denen ich egal bin.

Und überhaupt, was soll die Aussage, ich habe NUR ein paar Hundert Follower? Hier geht es schließlich um Menschen! Ich möchte lieber sagen: WOW! Ein paar hundert – also ein großer Veranstaltungsraum voll – Menschen sind interessiert an dem, was ich schreibe! Das ist eine Ehre!

Ich stellte die Vergleiche mit den anderen ein. Ich lasse mich gerne inspirieren, aber ich möchte mich nicht mehr messen. Im Zuge dessen „entfreundete“ ich mich von allen Profilen, die mir nicht gut tun oder mich klein fühlen lassen.

Regulation des Smartphone Konsums

Ich lernte, die Existenz der sozialen Medien und der weltweiten Internetverbindung nicht mehr zu verteufeln und gab es auf zu versuchen, total abstinent zu sein. Das ist ein bisschen wie mit dem lieben Zucker, ein Totalverbot ist ein Schuss nach hinten. Daher lieber damit leben lernen 🙂

Jeder technische Fortschritt verändert das Leben. Wichtig ist zu lernen, damit umzugehen.

Für mich war es wichtig, das „rasch mal Handy zücken“ zu beobachten und schrittweise abzustellen – ähnlich wie das unachtsame Essen früher.

(Lebens-)Qualität statt Quantität

Ich habe beschlossen, meine Postings auf Instagram zu minimieren und überhaupt Postings à la „Heute trinke ich den ersten Kaffee nach 3 Wochen Indien“ ganz sein zu lassen.

Stattdessen möchte ich in meinem Alltag präsenter sein, bei dem was ich tue. Und ich werde ich mich wieder mehr auf meinen Blog konzentrieren und auch Artikel ohne Keyword-Optimierung veröffentlichen. (so wie diesen hier)

Ich möchte einfach mein Herz öffnen und herausfließen lassen, was fließen möchte. Ich muss nicht Millionen Menschen ansprechen.

Wer mich finden möchte, wird mich finden und dann bin genau ich die richtige Person.

Mir ist es wichtig, Menschen zu erreichen und zu berühren. Und das tue ich. Das ist mehr als genug. Für mich ist es die Qualität die zählt, nicht die Quantität.

Kurz verlor ich das aus den Augen … aber nun bin ich wieder dort, wo ich hingehöre.

Die Entwicklung geht immer weiter

Wie du siehst, geht meine Entwicklung immer weiter und es tun sich immer neue Lernfelder auf.

Das ist nichts, wofür man sich schämen müsste.

Niemand ist perfekt und das ist OK so.

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