Wann ist Psychotherapie, wann die Rosen-Methode empfehlenswert – und zwar in Hinblick auf Essstörungen?

Ich bekomme oft Anfragen von Menschen, die mein Buch „Essanfälle adé“ gelesen haben. Sie fühlten sich erstmals verstanden und möchten gerne von mir begleitet werden.

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Ich freue mich immer sehr über dieses Vertrauen, das mir entgegen gebracht wird.

Dennoch rate ich in vielen Fällen dazu, zunächst eine Psychotherapie in Anspruch zu nehmen und erst danach in meine Praxis zu kommen.

Ich möchte hier erklären, wieso das so ist.

Wieso Begleitung so wichtig ist

Zunächst möchte ich betonen, wie wichtig es ist, Unterstützung für seinen Weg zuzulassen.

Wenn man an einer Essstörung leidet, ist man voll mit toxischer Scham: Man fühlt sich ungeliebt, unnötig, als Last, unförmig, unfähig … Und vor allem kommt man sich mit seinem seltsamen Essverhalten wie ein Alien vor.

Da tut es unendlich gut, wenn ein anderer Mensch vor einem sitzt und und das Gefühl gibt: „Du bist willkommen. Du darfst hier so sein, wie du bist. Ich mag dich, auch wenn du dich nicht magst. Du bist hier sicher.“

In einer guten Therapie sollten Sie genau dieses Gefühl bekommen, selbst wenn manchmal sehr unangenehme Dinge bearbeitet werden. Wichtig dafür ist, dass Ihre Therapeut/in ein umfassendes Verständnis von Trauma hat.

Psychische Störungen gehören zur Psychotherapie

Wenn Sie von einer psychischen Störung betroffen sind, ist es notwendig, zunächst eine Psychotherapie aufzusuchen. Was genau unter psychische Störung fällt, können Sie in diesem Wikipedia Artikel nachlesen. Im ICD – Internationale Klassifikation psychischer Störungen – sind Essstörungen enthalten, siehe ICD 10 – F50.

Selbsttest: Habe ich eine Essstörung?

Das bedeutet, dass Sie, falls Sie unter Essstörungen leiden, Psychotherapie in Anspruch nehmen sollten.

Verständnis für die Verhaltensmuster

Eine gute Psychotherapie ist wichtig, um Verständnis für sich selbst und Ihre Verhaltensmuster zu entwickeln. Wenn man an einer Essstörung leidet ist es oft so, dass man sehr wenig über sich weiß, oft sogar dissoziiert ist.

Es geht in der Psychotherapie darum herauszufinden, welche Funktionen die Essstörung übernimmt. Erst wenn man das weiß, kann man Schritt für Schritt neue Verhaltensweisen erlernen.

Eine gute Psychotherapeut/in hilft Ihnen dabei, ein Vokabular für die eigenen Empfindungen zu entwickeln.

Aufarbeitung von Kindheitserlebnissen

Darüber hinaus ist es fast immer notwendig, diverse vergangene – oft traumatische – Ereignisse aufzuarbeiten, vielleicht sogar erstmals darüber zu reden. Das löst zwar die Essstörung noch nicht, schafft aber ein tiefes Verständnis für unsere Art und Weise zu funktionieren. Dadurch ist es uns möglich, milder mit uns selbst und anderen zu werden.

Psychotherapie hilft Ihnen dabei, über sich selbst zu reflektieren und eine gewisse Ordnung in Ihr eigenes System zu bringen.

Tools der Selbstregulation

Eine gute Psychotherapie hilft Ihnen dabei, Werkzeuge der Selbstregulation zu finden. In der Essstörung reguliert man sich überwiegend mit Essen. Egal welches Gefühl, Angst, Trauer, Einsamkeit, Nervosität … Essen hilft, tröstet, beruhigt, aktiviert.

Mit Hilfe der Psychotherapie dröselt man all diese Gefühle auf und findet neue Möglichkeiten, um damit umzugehen. So wird Essen eine Regulationsmöglichkeit unter vielen anderen und damit Schritt für Schritt weniger notwendig.

Vor allem wenn Sie unter Panikattacken leiden, ist es notwendig zur Psychotherapie zu gehen.

Dann die Rosen-Methode

Mit Hilfe der Psychotherapie werden Sie eine Menge über Ihre Muster erfahren.

Mit Hilfe der Rosen-Methode können Sie noch weiter in die Tiefe gehen und Ihre Muster auf körperlicher Ebene kennen- und verstehen lernen und idealer Weise loslassen und damit noch mehr innere Freiheit erlangen.

Was die Rosen-Methode ist, lesen Sie hier.

Keine Zielvereinbarungen

In der Psychotherapie spielt das Erstgespräch eine wichtige Rolle. Meine Kollegin Doris Nowak-Schuh beschreibt das im Buch „Essanfälle adé“ wie folgt:

Am Beginn steht immer ein Erstgespräch. Die Klientin oder der Klient erzählt mir ihr oder sein Anliegen, ich erhebe eine sogenannte Anamnese und stelle eine Erstdiagnose. Im Gespräch berate ich, welche Behandlung aus meiner Sicht am zielführendsten ist und ob noch weitere Dinge abgeklärt werden sollten. Manchmal ist zum Beispiel eine medizinische Untersuchung nötig. Wenn wir uns zur Zusammenarbeit entscheiden, vereinbaren wir weitere Termine.

Bei der Rosen-Methode gibt es kein klassisches Erstgespräch. Wir vereinbaren keine Ziele und es gibt auch keine Diagnose. Wir lassen uns jedes Mal überraschen, wohin uns der Körper heute führen mag.

Aus diesem Grund ist es gut, bereits Erfahrungen mit der Psychotherapie zu haben, damit Sie damit umgehen können.

Fokus auf Berührung

Der größte Unterschied zur Psychotherapie ist, dass in meiner Praxis das Gespräch nur ein paar Minuten dauert. Ich frage kurz wie es geht und bei ErstklientInnen was Ihr Anliegen ist und dann geht es schon ab auf die Behandlungsliege.

Durch meine Berührung wird es Ihnen erleichtert, sich in Ihrem Körper wahrzunehmen. Dadurch können Sie Ihre Grenzen spüren, Ihre Beengungen, Ihren Atem, Ihre Verspannungen, Ihre Gefühle und, und, und.

Berührung auf der Haut

Meine Berührung findet auf der Haut statt, sofern das für die Klientin / den Klientin OK ist.

Das Entkleiden (alles bis auf die Unterhose) passiert – wie alles in meiner Praxis – in geschütztem Rahmen: Ich verlasse den Raum. Falls Sie das möchten, ziehe ich die Vorhänge vor.

Sobald liegen, berühre ich mit meinen Händen Ihren Körper. Sie sind dabei immer mit einem Leintuch bedeckt und geschützt, ich decke nur jene Stellen behutsam ab, die ich gerade berühre. Falls es kühl ist, werden Sie zusätzlich mit einer Decke gewärmt.

Fokus auf das, was jetzt im Körper ist

Um Ihnen dieses Spüren zu erleichtern, stelle ich Ihnen hin und wieder eine kurze Frage. Ich unterstütze Sie also darin, sich selbst zu erforschen und ganz mit Ihrer Aufmerksamkeit im Fühlen und bei sich zu bleiben.

In der Rosen-Methode werden keine vergangenen Ereignisse aufgearbeitet. Es wird das aufgegriffen, was sich jetzt im Körper zeigt. Manchmal erinnern sich KlientInnen im Zuge einer Rosen-Sitzung an Vergangenes, manchmal auch an die Kindheit, dies wird wahrgenommen und gewürdigt.

Es erfolgt in der Rosen-Methode allerdings keine Reflexion, im Sinne von: „Was hat das für Auswirkungen auf mein derzeitiges Leben?“ oder „Wie könnte ich Belastendes verändern?“.

Es geht vielmehr darum, gemeinsam zu erforschen, was  jetzt im Körper gespürt wird. Das hilft, Gefühle anzunehmen und sie Schritt für Schritt zu integrieren.

Meiner Erfahrung ist das nur dann möglich, wenn die Psyche bereits eine gewisses „Training“ erfahren bzw. sich reflektiert hat.

Kennenlernen des Körpers

In der Rosen-Methode geht es darum, Sie dabei zu unterstützen, Ihren Körper wahrzunehmen.

Dieses Kennenlernen des Körpers wird wesentlich erleichtert, wenn man sich zuvor bereits mit Hilfe der Psychotherapie kennengelernt hat. Dann kann man das, was man spürt, einfacher ein- und zuordnen.

Körperarbeit

Ich hoffe, dass ich Ihnen einen guten Einblick geben konnte, ob es sinnvoll ist, eine Stunde mit mir zu vereinbaren, oder ob zuvor sinnvoller ist, Psychotherapie in Anspruch zu nehmen. Mir ist sehr wichtig, dass meine Arbeit genau jene ist, die im Moment passend ist. Deswegen kläre ich lieber ein bisschen zu viel im Vorfeld ab, als zu wenig.

Weiterlesen

  • In meinem Buch „Essanfälle adé“ erfahren Sie einiges über Psychotherapie und Körperarbeit.

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  • In diesem Artikel geht es darum, welche Therapeutinnen ich empfehlen kann. Wobei dazu sei gesagt: Es gibt sehr viele kompetente Menschen, aber naturgemäß kann ich nur wenige davon persönlich kennen.
  • Noch mehr Infos über die Unterschiede der verschiedenen psychosozialen Angebote lesen Sie in dem Blog-Artikel von Iris Lasta, meiner Assistentin bei den „Essanfälle adé“ Workshops: Ist Coaching, Beratung oder Psychotherapie die richtige Wahl?
  • Marion Rosen schrieb ein Buch über die Rosen-Methode „Die Rosen-Methode: Den Körper berühren, die Seele erreichen„. Ich erinnere mich, dass ich, bevor ich mit der Ausbildung begann, das Buch von Marion Rosen  las, und dennoch nicht wirklich verstand um was es ging. Heute, mit einigen Jahren mehr Erfahrung nehme ich das selbe Buch immer wieder zur Hand und denke: „Ja, sehr treffend beschrieben.“ Manche Dinge muss man eben ausprobieren, um sie zu verstehen 🙂
  • Auf der Webseite www.roseninstitute.net finden Sie alle Rosen-Praktizierenden weltweit.
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