Vaginale … what?
Wenn du eine Frau bist und noch nie davon gehört hast
(so wie ich noch bis vor kurzem),
dann ist es aller höchste Zeit das zu ändern.
Denn die vaginale Atrophie betrifft 75% der Frauen.

Atrophie kommt aus dem Griechischen und heißt laut diesem Wikipedia-Eintrag „Verkümmerung des Gewebes“.

Der Begriff „Scheidentrockenheit“ war mir geläufig, auch dass das etwas mit dem Wechsel zu tun hat.

Ich dachte, da nimmt frau einfach Gleitcreme oder Cocosöl und fertig.

Dass es hier aber nicht bloß um „trocken“ geht, sondern darum, dass die vaginale Schleimhaut aufgrund des zunehmenden Östrogen-Mangels zusammenfällt, war mir nicht klar.

Angeblich sind 75% der Frauen nach dem Wechsel von vaginaler Atrophie betroffen. Das habe ich in diesem Artikel der deutschen Apotheker Zeitung gelesen, der sich wiederum auf den Artikel des International Journal of Women`s health stützt.

Meine momentane Hauptinfo-Quelle zur vaginalen Atrophie und anderen durch den Wechsel bedingten Mangelzuständen ist folgendes Buch:

Dr, Med. Sheila de Liz: Woman on Fire: Alles über die fabelhaften Wechseljahre

Woman on Fire: Alles über die fabelhaften Wechseljahre

Frauen fällt die vaginale Atrophie nur dann auf, wenn sie Geschlechtsverkehr haben. Denn dadurch wird die verkümmerte Schleimhaut aufgerieben, sodass ein wundes Gefühl entsteht. Manche Frauen können aufgrund der Schmerzen keinen Geschlechtsverkehr mehr haben.

Was tun bei vaginaler Atrophie?

Ich bin ja große Freundin der komplementären Medizin. Beispielsweise konnte ich meine wechselbedingten Hitzewallungen und Einschlafprobleme mit TCM Kräutern und Akupunktur sehr gut verringern.

Dennoch: Bei der vaginalen Atrophie (und auch anderen wechselbedingten Beschwerden) braucht es – so wie ich es verstanden habe – eine Ergänzung, nämlich bioidente Hormone.

Bei vaginaler Atrophie helfen keine Gleitcremes, da diese vielleicht die Schmerzen lindern, allerdings nicht an der Ursache – nämlich dem altersbedingten Mangel an Östrogen – ansetzen.

Es braucht eine Salbe, die lokal aufgetragen wird und Östriol (eine Form des Östrogens) enthält.

Bioidente Hormone

Sheila de Liz beschreibt in ihrem Buch schön anschaulich, wie sich die künstlichen Hormongaben für Frauen im Laufe der Zeit entwickelt haben: Früher wurden sie aus schwangeren Stuten gewonnen und waren deswegen für Frauen schlecht verträglich (wen wundert es).

Heutzutage werden die Hormone so hergestellt, dass der Körper keinen Unterschied merkt, ob sie selbst produziert wurden oder aus dem Labor kamen. Sie werden bioidentische Hormone genannt und sollen gut verträglich sein.

Das goldene Fenster

Ich bin jetzt 50 und laut meinem Gyn werde ich keine Regel mehr bekommen. Ehrlicherweise bin ich froh darüber, denn 36 Jahre Regel inklusive intensiver Endometriose-Erfahrungen sind wahrlich genug.

Zunächst habe ich meine Hitzewallungen verflucht, doch nun bin ich ihnen dankbar.

Wären sie nicht gekommen, wäre ich nicht gezwungen gewesen, mich mit dem Thema Wechsel zu beschäftigen.

Meinem jüngeren Ich würde ich raten, damit bereits früher zu beginnen, nämlich ab dem Zeitpunkt, wo die Regel unregelmäßig wird, das war bei mir mit 42.

Auf alle Fälle innerhalb von 6-10 Jahren nach der letzten Regel, dem sogenannten „Goldenen Fenster“. Denn nur während dem soll man – so habe ich das zumindest im Buch von Sheila de Liz gelesen – mit Hormongaben beginnen.

Wir Frauen müssen anfangen über den Wechsel zu reden!

Wenn die vaginale Atrophie 75% der Frauen betrifft, wie kann es sein, dass ich bisher noch nie etwas davon gehört hatte?

Viele Frauen werden die vaginale Atrophie nicht wahrnehmen, weil sie keinen Geschlechtsverkehr mehr haben (wollen).

Ich glaube aber vor allem, dass viele Frauen aufgrund von Scham nicht darüber sprechen.

Wir müssen aufhören uns für Dinge zu schämen, die aufgrund von Hormonen bzw. aufgrund von Hormonmangel passieren.

Ich finde, wir Frauen müssen anfangen, über den Wechsel und alles was er mit sich bringt, zu reden. Mit anderen Frauen und auch mit uns nahestehenden Männern.

Wir müssen uns über vaginale Atrophie austauschen und über andere Dinge, die der Östrogenmangel mit sich bringen kann, wie beispielsweise Schlafstörungen, Inkontinenz und Osteoporose.

Und wenn wir schon dabei sind: Ich wünsche mir, dass wir statt dem weit verbreiteten „da unten“ die korrekten Worte wie Vulva und Vagina benutzen. Apropos Scham: Ich mag das Wort „Schamlippen“ nicht, denn das hat wieder mit Scham zu tun. Wieso sagen wir nicht einfach Vulvalippen?

Weiterführendes

Ich bin keine Ärztin und keine Fachfrau auf dem Gebiet der Wechselbeschwerden und bin erst seit ein paar Wochen dabei, Informationen zu sammeln.

Sehr eindrücklich fand ich dieses Interview von Isabel Garcia mit Sheila de Liz.

Vielleicht hast du bereits Erfahrungen mit bioidenten Hormonen gemacht und magst sie hier teilen?