Cola Sucht loswerden – meine persönlichen Erfahrungen

„Ich bin leider ein ziemlicher Cola-Junkie. Hast du eine Idee, wie ich es schaffe, meinen Cola-Konsum zu reduzieren?“ Diese Anfrage erhielt ich über Instagram.

Meine Erfahrung ist, dass viele Menschen, die an einer Essstörung leiden, gleichzeitig kalorienfreie Getränke im Übermaß konsumieren. Viele trinken literweise ungesüßten Tee, Kaffee, Energy-Dinks oder eben Cola – natürlich in der Light Version.

Was tun, wenn die Cola-Sucht überhand nimmt?

Bevor ich diesen Artikel schrieb, stöberte ich ein bisschen im Internet. Ich war erstaunt, wie viel bereits darüber geschrieben und gefilmt wurde. Das Problem scheinen mehrere Menschen zu haben 🙂

Daher möchte ich mich hier auf meine persönlichen Erfahrungen beschränken.

Schritt eins: Bewusstsein

Wir können nur ändern, was uns bewusst ist.

Für mich war es daher wichtig, meinen Cola-Konsum gut zwei Wochen lang zu beobachten.

Dabei halfen mir folgende Fragen:

  • In welchen Situationen greife ich gewohnheitsmäßig zur Cola-Flasche?
  • Was tue ich während ich sie trinke?
  • Wieviele Schluck des Getränks nehme ich eigentlich bewusst wahr?
  • Wie geht es mir, nachdem ich das Cola geleert habe?
  • Was fühle ich in meinem Körper, wenn ich zu viel davon getrunken habe?
  • Wie bemerke ich meine Durstgefühl?

Schritt zwei: Bewusste Entscheidung

Das Wissen darüber, was Cola mit meinem Körper macht, half nur bedingt. Denn schließlich wusste ich ja auch, dass meine Essanfälle nicht gesund waren und mir nicht gut taten. Ich hatte sie aber dennoch.

Wenn man unter einer Essstörung leidet, lebt man abgekoppelt von seinem Körper. Daher fällt es schwer, etwas Gutes für ihn zu tun.

Für mich war es daher sinnlos darauf zu warten, bis der Entzug wie von selbst ging, weil mein Körper danach verlangte.

Ich musste eine bewusste Entscheidung zu treffen: Ich will damit aufhören.

Diese Entscheidung traf ich aus dem Kopf, im Vertrauen darauf, dass sie langfristig auch für meinen Körper gut wäre.

Das Gute daran ist, dass wir Cola nicht zum Leben brauchen.

Hilfreich fand ich das erste Buch von Allen Carr: Endlich Nichtraucher*, das Wort „Zigaretten“ ersetzt man einfach durch „Cola“. Die Bücher von Allen Carr zum Thema Essen fand ich übrigens nicht hilfreich, da sie meiner Meinung nach bei Esssucht nicht anwendbar sind, da das Thema viel zu komplex ist.

Ich beschloss also, auf Cola zu verzichten.

Für mich war es wichtig, mehrere Tage am Stück darauf zu verzichten.

Der Anfang war hart, aber mit der Zeit wurde es einfacher.

Wie lange der Prozess in Summe dauerte, weiß ich leider nicht mehr genau. Ich habe ihn aber nicht als besonders schwierig oder anstrengend in Erinnerung. Vermutlich weil ich damals bereits auf meinem Heilungsweg war und sowieso vieles veränderte.

Cola Sucht

Falls der kalte Entzug nicht funktioniert

Die Zeit der Essstörung ist oft geprägt von einem „ganz oder gar nicht“ Denken und von Perfektionismus: „Wenn ich den kalten Entzug schaffe bin ich gut. Wenn ich rückfällig werde bin ich eine Versagerin.“

Ich finde es daher wichtig, sich selbst liebevoll zur Seite zu stehen. Der Weg ist nun mal nicht leicht und wir brauchen unser vollstes Verständnis.

Ich erinnere mich, dass ich mir manchmal trotz Entzug ein Glas Cola gönnte. Ich trank es sehr bewusst, wie eine köstliche Praline. Was ich vermied war, es nebenbei zu konsumieren, also während des Arbeitens oder Lernens. Außerdem hatte ich kein Cola-Vorräte mehr zu Hause, ich trank es nur noch im Lokal.

Falls Sie also den „kalten Entzug“ noch nicht schaffen können oder wollen, wäre das etwas, das ich Ihnen empfehlen würde:

  • Die Cola-Menge drastisch reduzieren.
  • Das Trinken aus Gewohnheit beenden.
  • Jedes Cola bewusst zelebrieren, jeden Schluck genießen und schmecken und sich daran erfreuen.
  • Aufhören mit dem Cola, wenn Sie bemerken, dass Sie es nicht mehr schmecken können, also es nur noch gewohnheitsmäßig in sich hineinschütten. Sie können das Glas später weiter trinken, falls Sie es dann noch möchten.

Schritt zwei: Alternativen schaffen

Was ich bei den Fragen oben herausfand war:

Ich griff zum Cola-light, wenn ich …

  • müde war
  • wenn ich keine Lust auf meine Arbeit hatte und sie mir kalorienfrei versüßen wollte
  • Lust auf Schokolade hatte
  • mich schämte, in der Öffentlichkeit zu essen
  • mir langweilig war
  • mein Hungergefühl unterdrücken wollte
  • glaubte, genug gegessen zu haben und einen Abschluss für das Essen brauchte, damit ich nicht noch mehr zulangte
  • ins Kino ging
  • wenn andere etwas aßen und ich nichts essen wollte
  • am Abend meinen Hunger auf Süßes stillen wollte
  • wenn ich endlich etwas ohne Kontrolle konsumieren wollte, ohne Angst, davon zuzunehmen

Mein Ausweg aus der Cola Sucht ging Hand in Hand mit meinem Ausstieg aus der Essstörung. Denn ich musste mich mit folgenden Fragen beschäftigen:

  • Ist es tatsächlich gut zu versuchen, mit Hilfe von Cola so wenig wie möglich zu essen?
  • Darf ich meinen Hunger wahrnehmen?
  • Darf ich auf meine Körperbedürfnisse hören und essen was ich möchte, auch wenn mich Menschen dabei sehen?
  • Kann ich einen anderen Abschluss für mein Essen finden?
  • Wenn ich nach dem Essen ständig nach Süßem giere, kann es sein, dass mich das Essen nicht befriedigt hat?
  • Gibt es etwas anderes als Cola, mit dem ich meinen Gaumen erfreuen kann, wenn er nach dem Essen noch nach „etwas“ verlangt (Ich z.B. liebe pure Lakritz von Amarelli)
  • Darf ich es mir erlauben, kurz zu ruhen oder sogar zu schlafen, wenn ich müde bin?
  • Woran liegt es eigentlich, dass ich so unglaublich erschöpft bin?
  • Darf ich Schokolade essen, wenn ich sie wirklich möchte, statt sie mir immer zu verbieten?
  • Hilft mir Cola wirklich, meinen Süßhunger zu stillen?
  • Darf ich auch einmal nichts tun oder muss ich ständig beschäftigt sein?
  • Kann es sein, dass ich nichts habe, das mich wirklich erfüllt und mir daher oft langweilig ist?

Ich bin eine große Freundin davon, nicht nur etwas wegzunehmen, sondern etwas hinzuzufügen. Wenn wir uns also bewusst machen, wofür der Cola-Konsum steht, können wir neue Dinge in unser Leben einladen. So können wir das Gefühl des Mangels verringern.

Was ich nicht empfehle ist, Cola durch eine andere kalorienarme Flüssigkeit zu ersetzten. Literweise Tee oder Sprudelwasser in sich hineinzuschütten, tut dem Körper nämlich auch nicht gut.

Ich glaube, dass der Weg aus dem Cola-Missbrauch Hand in Hand mit dem Weg aus der Essstörung geht. Meinen Weg können Sie im Buch: Essanfälle adé nachlesen.

Buch „Essanfälle adé“ online kaufen*

Mein heutiger Cola-Konsum

Mittlerweile lebe ich ohne Essstörung. Es gibt keine Verbote mehr.

Meine Entscheidungen, was ich essen oder trinken möchte, treffe ich in Einklang mit meinen Körper. Dennoch unterstützt mich mein Kopf oft dabei, indem er mich liebevoll erinnert: Du weißt doch, dass dir das nicht gut tut. Nimm davon lieber eine kleine Menge, OK?

Bei Cola muss mich mein Kopf schon lange nicht mehr daran erinnern, dass es mir nicht gut tut. Beim bloßen Gedanken, es in mich hineinzuschütten, dreht sich mir der Magen um.

Wenn man mich früher gefragt hätte, warum ich Cola trinke, hätte ich geantwortet: Weil es mir total gut schmeckt.

Irgendwann habe ich es wieder probiert und ich fand es nur künstlich und bääähhhh.

Mein Körper braucht das definitiv nicht. Ich brauche heute also nicht mehr darauf zu verzichten, weil ich es völlig freiwillig nicht mehr konsumieren möchte. Mir geht nichts mehr ab. Der Weg hat sich gelohnt.

Wie geht es Ihnen mit dem Cola Entzug?

Was hat Ihnen geholfen? Teilen Sie gerne Ihre Erfahrungen in den Kommentaren weiter unten, das ist natürlich anonym möglich.

Möchten Sie das teilen?
2018-08-09T12:47:54+00:007 August, 2018|Emotionales Essen|0 Kommentare

Über den Autor:

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Bitte nehmen Sie meine Datenschutzerklärung zur Kenntnis. Ihre E-Mail Adresse wird selbstverständlich nicht veröffentlicht.