Wie funktioniert Selbstliebe im Alltag?

Je mehr wir uns selbst lieben, desto eher sind wir bereit, nährende Dinge für uns zu tun und für unsere Bedürfnisse einzustehen. Und je öfter uns das gelingt, desto geringer wird langfristig der emotionale Hunger.

Aus: „Essanfälle adé – Vom emotionalen Essen zum persönlichen Wohlfühlgewicht“ *

Verlorene Selbstliebe braucht Zeit für Rückkehr

Ja, es stimmt. Selbstliebe ist wichtig um heil zu werden. Doch sich selbst zu lieben, ist für viele nicht so einfach, wie es klingt.

Früher hätte ich auf das Thema »Selbstliebe« mit einem müden Lächeln reagiert: »Ja, alles schön und gut, das mag für andere vielleicht funktionieren, aber für mich bestimmt nicht.« Ich wollte in vielen Dingen anders sein, als ich war. Mir schien es unmöglich, jemanden wie mich jemals lieben zu können.

(…)

Ich dachte, wenn ich klein und zart gewesen wäre, dann … ja dann könnte ich das mit der Selbstliebe bestimmt leicht erlernen. Aber so? Wie sollte ich jemanden wie mich jemals lieben?! Außerdem hatte ich mein Essverhalten nicht im Griff. Das war der ultimative Grund, mir die Selbstliebe zu verweigern. Rückblickend könnte man sagen, dass ich in einer tiefen, dauerhaften Beziehungskrise mit mir steckte. Kein Wunder also, dass es mir so unendlich schwerfiel, liebevoller mit mir umzugehen. Ich hatte kein Vertrauen zu mir und war meiner überdrüssig. Kurzum: Ich konnte mich selbst nicht besonders gut leiden.

Aus: „Essanfälle adé – Vom emotionalen Essen zum persönlichen Wohlfühlgewicht“.

Wenn die Selbstliebe – aus welchen Gründen auch immer – verloren ging, braucht es seine Zeit und vor allem stetige Übung, um sie wieder aufzubauen. Wie in einer partnerschaftlichen Beziehung auch, geht es darum, das verlorene Vertrauen Schritt für Schritt wieder zurückzugewinnen.

Selbstliebe bedeutet, Dinge für sich zu TUN

Was bedeutet Selbstliebe? Für mich bedeutet Selbstliebe nicht, dass ich täglich „Ich liebe dich“ zu mir selbst sage. In meinen Augen ist das zu wenig. Es braucht Taten.

Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen »Liebe bekunden« und »Liebe praktizieren«. Für eine tragfähige Beziehung ist es nicht ausreichend, bloß zu sagen: »Ich liebe dich!« Es ist darüber hinaus nötig, diese Liebe zu leben, indem wir etwas für den anderen tun.

Stellen Sie sich vor, einem geliebten Menschen geht es nicht gut. Dann werden Sie verlässlich für ihn da sein, seine Sorgen anhören, ihm helfen, ihn bestärken, vielleicht den Einkauf erledigen. Dem geliebten Menschen nützt es ziemlich wenig, wenn Sie ihm sagen: »Ich liebe dich von ganzem Herzen!«, aber Ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes richten, beispielsweise auf ein Computerspiel.

Ähnliches gilt für die Selbstliebe: Es ist wesentlich, Liebe zu praktizieren, statt nachzugrübeln, warum es uns nicht möglich ist, uns selbst zu sagen, dass wir uns lieben. Selbstliebe heißt, etwas sich selbst zuliebe zu tun. Mir persönlich ist die Selbstliebe nicht aus heiterem Himmel zugefallen, vielmehr war es ein stetiger Weg.

Aus: „Essanfälle adé – Vom emotionalen Essen zum persönlichen Wohlfühlgewicht“ *

Selbstliebe bedeutet Begleitung

Selbstliebe bedeutet für mich keineswegs, dass ich mich immer voll super finde und mich ständig bewundere und mich nie wieder ändern muss. Ganz im Gegenteil. Ich darf sehr wohl kritisch mit mir sein, allerdings auf liebevoller Art und Weise.

Wenn man sich nicht liebt, springen oft die inneren Kritiker hervor, die uns gerne lautstark wissen lassen, dass wir wieder einmal versagt haben.

Wenn wir in der Selbstliebe angekommen sind, machen wir immer noch Fehler und sind immer noch nicht perfekt. Doch der Umgang damit ist ein anderer: Falls mir etwas nicht gelingt, versuche ich mir mit Verständnis zu begegnen. Ich bin also in dieser schwierigen Situation für mich da, so wie ich für meine beste Freundin da wäre. Ich tröste mich. Wenn es mir wieder besser geht, überlege ich konstruktiv, was zu tun ist und wie ich mich bestmöglich dabei unterstützen könnte.

Selbstliebe braucht die klare Entscheidung, dass ich FÜR mich da sein möchte, statt GEGEN mich zu kämpfen.

Was könnten wir im Alltag aus Selbstliebe tun?

Selbstliebe bedeutet, dass wir möglichst gut für uns sorgen, vor allem im Alltag. Wenn wir mit uns selbst noch in einer starken Beziehungskrise stecken, können wir mit Kleinigkeiten anfangen. Auch hier ist es wieder wichtig, eine bewusste Entscheidung zu treffen: Ich möchte beginnen, wenigstens hin und wieder für mich zu sorgen (selbst wenn ich mich noch nicht wirklich mag). Alle kleinen Taten summieren sich und Schritt für Schritt nähren Sie damit Ihre Seele.

Nachfolgend ein paar Beispiele aus meinem ganz normalen Alltag.

  • Ich teile meine Räume gerne mit Katzen. Da das in meiner aivilo Praxis naturgemäß nicht geht, habe ich eine Katze aus Blech adoptiert.
  • Wenn ich von meinem Schreibtisch aufblicke, sehe ich auf meiner Pinnwand viele stärkende Karten, Sprüche und Erinnerungen.
  • Den „enjoy“ Schriftzug habe ich mir für meine erste Buch-Lesung gemacht (Lettering ist seit Sommer 2017 mein Hobby). Er half mir mich daran zu erinnern, dass ich trotz der Nervosität diesen Moment genießen durfte.
  • In meiner aivilo Praxis hängen bei meinem kleinen Tischchen im Vorzimmer viele bunte Bilder und eine Giraffe. Ich liebe Giraffen, daher habe ich diese adoptiert. Die Bilder erinnern mich daran, dass das Leben bunt ist.
  • Ich mag Elefanten. Daher gönnte ich mir für meine Praxis einen Duschvorhang mit einem Elefanten, der großes Vergnügen beim Duschen hat. Das Motiv macht mich fröhlich, jedes Mal, wenn ich es bewusst ansehe.
  • Ab und zu koche ich nur für mich meinen Lieblingstee.
  • Für meine Seminarunterlagen kaufte ich extra eine grasgrüne Mappe, die mir Freude macht.
  • Wie man auf meiner Webseite sieht, mag ich gerne Fesselballone. Einer ist auf meinem Lieblingsteller. Am Foto sieht man auch die Beine einer unserer Katzen 🙂
  • Ich liebe pure Lakritze. Um die zu besorgen, gehe ich extra in ein bestimmtes Zuckerlgeschäft in Wien, nur für mich.
  • Ich mag Schafe, daher darf mich an Regentagen mein Schirm mit Schafen erfreuen. Den darf nur ich benutzen.
  • Für meine kindliche Seite habe ich einen weichen Teddy-Polster, auf den ich gerne kuschle. Falls ihn nicht gerade eine Katze für sich beansprucht.
  • Aus fast jedem Urlaub bringe ich eine Tasse mit. An jedem Arbeitstag entscheide ich bewusst, welche Tasse, welche schöne Erinnerung ich heute gerne haben möchte.
  • Meine Wärmeflasche hat die Form einer Tigerente, ist die nicht süß? Da ist jedes Bauchweh nur noch halb so schlimm.
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2018-07-09T17:26:43+00:0024 April, 2018|Emotionales Essen, Reise des Lebens|0 Kommentare

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